ZYGMUNT JANUSZEWSKI

POLEN 1980-2008 Zeit der Umwandlung - Kraft der SymboleInstallation und Spontangraphik im Gasteig, München

11.12.2008 - 30.01.2009

Ich erinnere mich an diese Zeit. Es ist damals etwas Unglaubliches geschehen. Menschliche Solidarität und Entschlossenheit haben den Lauf der Geschichte verändert. Wir wussten alle, nichts wird mehr so sein, wie es früher war. Kaum jemand hat vermutet, dass es der Anfang des Falls der Berliner Mauer und des Zusammenbruchs des Kommunismus in Europa war. In der Zeit schrieb ich meine Diplomarbeit an der Akademie der Schönen Künste in Warschau,

zeichnete für Untergrundverlage, verteilte Oppositionsflugblätter in den Strassen und flüchtete vor der Miliz. Zugleich begann mit der Ausstellung "Vision vom Menschen" im Kunstverein Oerlinghausen-Synagoge, mein künstlerischer Weg in Deutschland, der mich durch den einzigartigen Zickzack des Schicksals in den Gasteig geführt hat.

Alles hätte damals ein schlechtes Ende nehmen können. Das sterbende Regime war immer noch imstande die Gegner der Regierung zu zerstören. Die Einführung des Kriegszustandes und die Verhaftungen sollten die unvermeidliche Wende stoppen. Es hätte so kommen können. Aber in den ganzen Prozess haben sich mit ungewöhnlicher Stärke positive Energien eingemischt. Ohne sie wäre ein positives Ende des Kampfes zwischen Gut und Böse unvorstellbar gewesen und damit auch die revolutionären Veränderungen in ganz Europa und als Folge davon die voranschreitende Vereinigung Europas.

Kunst generiert Energie. Symbole öffnen den Weg zu ihrer Quelle.

Das Ethos des Aufruhrs und die Ablehnung der ungewollten Wirklichkeit sind in Fragmenten, Erinnerungen und Flugblättern erhalten. Es war die Kraft der unter lebensbedrohlichen Verhältnissen verteilten Schriften aus den Vervielfältigungsgeräten, der Flugblätter und der Plakate, die die Fundamente des Regimes erschüttert haben. Dank ihnen haben die Menschen angefangen an das Unmögliche zu glauben. Sie hatten Mut an Veränderungen zu glauben. 

Jede Diktatur hat am meisten Angst vor dem Lachen. Als Hingabe und Opfer nötig waren, riefen die von Hand zu Hand verteilten Flugblätter zu Solidarität auf.

Spontangraphik ist ein Versuch die Geschichte mit den Ursymbolen der positiven Energien zu entziffern, die ich seit Jahren in meinen Installationen, Malaktionen und in der Versgraphik verwende. Ihre Spontaneität entspricht in der Form dem Kern des geschichtlichen Prozesses und der gesellschaftlichen Kontexte. Außerdem hat das Weiß und das Rot eine besondere Bedeutung, nicht nur für Polen. Ich stelle sie all denen zur Verfügung, die die damalige Idee der Solidarität, der Hoffnung und des Willens zum Kampf auch heute noch für wichtig und lebendig halten. Wenn es so ist, dann lade ich Sie ein, Ihre Meinungen, Reflexionen und Eindrücke an der Interaktiven Wand miteinander aus zu tauschen.